Kurzantwort

Für Wohnmobile bis 3,5 t reichen in Österreich, der Schweiz, Slowenien, Ungarn, Tschechien und der Slowakei Vignetten (Österreich-Jahresvignette 2026: 106,80 €, Schweiz: 40 CHF). Italien, Frankreich, Kroatien und Spanien rechnen streckenbasiert ab. Kritisch wird es über 3,5 t: dann drohen GO-Box, DarsGo & Co. mit deutlich höheren Kosten – und in Österreich zählt die technisch zulässige Gesamtmasse, nicht das abgelastete Gewicht.

  • Österreich 2026: 1 Tag 9,60 € · 10 Tage 12,80 € · Jahr 106,80 €
  • Kroatien stellt 2026 auf E-Mautsystem mit E-Vignette um
  • Österreich: Fehlbenutzung der neuen digitalen Mautbox kostet mindestens 260 €
  • Free-Flow-Strecken (IT A36, NL A24, ES A-636) haben Zahlfristen von 72 Stunden bis 15 Tagen – Bußgeldfalle für Unwissende
  • Frankreich: Crit'Air-Umweltplakette bleibt Pflicht (Abschaffung gerichtlich gekippt)

Kaum ein Thema sorgt bei der Reiseplanung für so viel Verunsicherung wie die Maut: Jedes Land hat sein eigenes System, die Preise ändern sich jährlich, und seit einigen Jahren kommen kameragestützte Free-Flow-Strecken dazu, auf denen man mautpflichtig fährt, ohne es zu merken. Dieser Ratgeber fasst den Stand für die Saison 2026 zusammen – mit besonderem Blick auf die Fallen, die speziell Wohnmobile betreffen.

Ein Hinweis vorab: Mautpreise und Regeln ändern sich teils kurzfristig. Die Angaben hier sind sorgfältig recherchiert (Stand Juli 2026), ersetzen aber nicht den Blick auf die offiziellen Portale (ASFINAG für Österreich, Via-Portal für die Schweiz, edalnice.cz für Tschechien usw.) kurz vor der Abreise.

Die drei Mautsysteme in Europa – und warum das für dich wichtig ist

Europa nutzt drei grundverschiedene Systeme, und je nach Route zahlst du auf eine völlig andere Art:

  • Vignette (zeitbasiert): Du kaufst eine Berechtigung für einen Zeitraum – egal wie viel du fährst. Gilt in Österreich, Schweiz, Slowenien, Ungarn, Tschechien, Slowakei. Für Vielfahrer günstig, für die einmalige Transitfahrt relativ teuer.
  • Streckenmaut (kilometerbasiert): Du zahlst pro gefahrenem Abschnitt an Mautstationen – Italien, Frankreich, Kroatien, Spanien (AP-Autobahnen), Portugal, Griechenland. Bei langen Strecken summiert sich das schnell auf 30–80 € pro Fahrtrichtung.
  • Free-Flow (Kennzeichenerfassung): Keine Stationen mehr – Kameras erfassen das Kennzeichen, gezahlt wird nachträglich online. Das System breitet sich aus (Frankreich ersetzt schrittweise seine Mautstationen durch "Péage Flux Libre") und ist die größte Bußgeldfalle für Ortsunkundige.

Wie stark die Maut das Reisebudget beeinflusst, hängt von Route und Fahrzeug ab. Im Spritkosten-Rechner kannst du Maut- und Vignettenkosten für typische Routen direkt mitberechnen, und der Urlaubskosten-Rechner setzt sie ins Verhältnis zum Gesamtbudget.

Vignettenländer 2026: Preise für Wohnmobile bis 3,5 t

LandKurzzeitJahresvignetteBesonderheit
Österreich1 Tag: 9,60 € · 10 Tage: 12,80 € · 2 Monate: 32,00 €106,80 €Letzte Saison mit Klebevignette; Streckenmaut zusätzlich (Brenner, Tauern u.a.)
Schweiz40 CHF (nur Jahresvignette)Anhänger/Wohnwagen brauchen eigene Vignette!
Slowenien7 Tage / 1 Monat verfügbar117,50 €Nur E-Vignette; Karawankentunnel extra
UngarnTag: 6,50–18,50 € je Klasse145–205 € je KlasseWohnmobile seit 1.1.2026 im E-Vignetten-System; 4 Mautklassen
SlowakeiTag: ~8 € · 10 Tage: ~11 €~90 €Vignette gilt für Wohnmobile unabhängig vom Gewicht!
Tschechien10 Tage / Monat verfügbarE-Vignette über edalnice.czNur offizielle Portale nutzen – viele Betrugsseiten

Wichtiger Spar-Hinweis für die Schweiz: Wer mit Wohnwagen-Gespann fährt, zahlt doppelt – Zugfahrzeug und Anhänger brauchen jeweils eine eigene Vignette. In Österreich dagegen ist nur das Zugfahrzeug vignettenpflichtig.

Streckenmaut-Länder: Italien, Frankreich, Kroatien & Co.

In diesen Ländern gibt es keine Vignette – gezahlt wird pro Strecke, und die Mautklasse richtet sich meist nach Fahrzeughöhe, Gewicht oder Achszahl. Für Wohnmobile heißt das fast immer: teurer als ein Pkw.

  • Italien: Fast alle Autobahnen mautpflichtig, Zahlung bar/Karte/Mautbox. Achtung auf der A36 bei Mailand: reines Free-Flow-System, Zahlung muss innerhalb von 15 Tagen online erfolgen.
  • Frankreich: Maut nach Fahrzeughöhe – feste Aufbauten wie Dachklimaanlagen zählen zur Höhe dazu (Dachboxen und Solarpanels nicht). Als Faustwert für Wohnmobile der Kategorie 2 werden oft 15–20 Cent/km genannt. Free-Flow ("Péage Flux Libre") ersetzt schrittweise die Mautstationen. Zusätzlich in vielen Städten: Crit'Air-Umweltplakette (ca. 5 €, vorab online bestellen) – die geplante Abschaffung der Umweltzonen wurde 2026 gerichtlich gestoppt, die Plakette bleibt Pflicht.
  • Kroatien: Bisher klassische Mautstationen – 2026 beginnt die Umstellung auf ein elektronisches System mit E-Vignette. Wer 2026 nach Kroatien fährt, sollte kurz vor Abreise den aktuellen Stand prüfen, da sich das Bezahlverfahren während der Saison ändern kann.
  • Spanien: Nur noch AP-Autobahnen kosten Maut, viele frühere Mautstrecken sind inzwischen frei. Achtung: Die A-636 im Baskenland ist Free-Flow mit Pflicht zur Vorab-Registrierung des Kennzeichens.
  • Portugal: Mischung aus klassischer Maut und "electronic toll only"-Strecken (blaues Schild), die ohne Registrierung oder Mautbox gar nicht bezahlbar sind. Gute Nachricht: Seit 2025 sind viele Strecken mautfrei, darunter die komplette A22 an der Algarve.
  • Griechenland: Mautstationen mit Höhenklassen – Wohnmobile über 2,20 m zahlen z.B. Athen–Patras ca. 32 €. Mautstationen tauchen teils ohne Ankündigung auf zuvor freien Abschnitten auf.

Die 3,5-Tonnen-Falle: wenn das Wohnmobil zum "Lkw" wird

Die wichtigste Grenze im europäischen Mautrecht liegt bei 3,5 Tonnen – aber die Länder ziehen sie unterschiedlich, und genau hier passieren die teuersten Fehler:

LandÜber 3,5 t giltKosten/Aufwand
ÖsterreichGO-Box (kilometerabhängige GO-Maut)Deutlich teurer als Vignette; neue digitale Mautbox, Fehlbenutzung ab 260 €
SchweizPauschale Schwerverkehrsabgabe (PSVA)3,25 CHF/Tag (mind. 25 CHF), 10 Einzeltage 32,50 CHF, Jahr 650 CHF
SlowenienDarsGo-TransponderStreckenabhängig; Box vor erster Fahrt besorgen
UngarnHU-GO-SystemEinzelstreckenticket vor Fahrtantritt oder Transponder
TschechienMytocz-Box (satellitengestützt)Registrierung + Kaution nötig
SlowakeiWeiter Pkw-Vignette!Wohnmobile sind von der Lkw-Maut ausgenommen
DeutschlandBefreit, wenn eindeutig als Wohnmobil erkennbarKeine Kosten (private Nutzung)
BelgienBefreit (nur Gütertransport mautpflichtig)Keine Kosten
NorwegenKlasse M1: keine Transponder-PflichtAutoPASS freiwillig – bringt bis 20 % Maut- und bis 50 % Fähren-Rabatt

Die Österreich-Falle im Detail: Maßgeblich ist dort die technisch zulässige Gesamtmasse (Feld F.1 im Fahrzeugschein), nicht das eingetragene zulässige Gesamtgewicht (Feld F.2). Ein Wohnmobil, das auf 3,5 t abgelastet wurde, dessen technische Gesamtmasse aber höher liegt, ist formal GO-Box-pflichtig. Es gibt eine Übergangsfrist bis Januar 2029 für Fahrzeuge mit Erstzulassung vor Dezember 2023 – danach wird es für viele abgelastete Fahrzeuge teuer. Wer über eine Auflastung nachdenkt, sollte diesen Maut-Effekt in die Rechnung einbeziehen – mehr zum Thema Gewicht im Zuladungs-Rechner.

Free-Flow: die unsichtbare Maut

Free-Flow-Systeme sind die tückischste Entwicklung der letzten Jahre, weil man mautpflichtig fährt, ohne anzuhalten oder etwas zu bemerken:

  • Italien A36 (Großraum Mailand): Kennzeichenerfassung, Zahlung online innerhalb von 15 Tagen
  • Niederlande A24 (Blankenburg-Verbindung): Zahlung innerhalb von 72 Stunden – bis 3,5 t nur 1,51 €, darüber 9,13 €, aber das Bußgeld bei Nichtzahlung übersteigt das Vielfache
  • Spanien A-636 (Baskenland): Kennzeichen muss vorab registriert sein
  • Frankreich: "Péage Flux Libre" wird schrittweise ausgeweitet

Der einfachste Schutz: eine Mautbox (z.B. über ADAC, Telepass/maut1 oder bip&go), die Free-Flow-Strecken automatisch abrechnet. Für Vielfahrer in Frankreich/Italien/Spanien lohnt sich das doppelt, weil an klassischen Mautstationen die schnellere Spur genutzt werden kann.

Skandinavien und der Norden: entspannter als gedacht

Norwegen hat zwar rund 330 Mautstationen, aber keine Vignettenpflicht – abgerechnet wird automatisch per Kennzeichen, und private Wohnmobile über 3,5 t (Klasse M1) brauchen keinen Pflicht-Transponder. Der freiwillige AutoPASS-Chip lohnt sich trotzdem: bis zu 20 % Rabatt auf Maut und bis zu 50 % auf viele Fähren. Schweden und Dänemark verlangen nur für Brücken Geld – die Öresundbrücke kostet für Wohnmobile über 6 m rund 920 DKK, mit Rabattprogrammen wie ØresundGO deutlich weniger. Wer die Brücken meiden will, plant Fähren ein – die Kosten dafür lassen sich gut im Urlaubskosten-Rechner gegenrechnen.

So planst du die Mautkosten realistisch ins Reisebudget

Drei Praxisregeln aus der Erfahrung vieler Reisen:

  • Transit vs. Aufenthalt trennen: Für die einmalige Durchfahrt (z.B. Österreich Richtung Kroatien) reicht die 10-Tages-Vignette (12,80 €) plus Streckenmaut für Sondertunnel – die Jahresvignette lohnt erst ab mehreren Fahrten.
  • Streckenmaut-Länder großzügig kalkulieren: Italien oder Frankreich quer zu durchfahren kostet mit dem Wohnmobil schnell 60–100 € pro Richtung. Landstraßen sparen Geld, kosten aber Zeit und oft mehr Sprit – der Spritkosten-Rechner hilft beim ehrlichen Vergleich.
  • Vor der Abreise 10 Minuten investieren: Die Route einmal auf Free-Flow-Abschnitte und Umweltzonen prüfen (Crit'Air für Frankreich vorab bestellen!). Das erspart Bußgelder, die ein Vielfaches der eigentlichen Maut kosten.

Was kostet deine Route wirklich?

Sprit, Maut und Vignetten für deine konkrete Strecke durchrechnen – inklusive Länder-Optionen.

⛽ Spritkosten + Maut berechnen 💰 Komplettes Reisebudget planen

Übrigens: Wer unterwegs autark stehen will, um Stellplatzkosten zu sparen, sollte vorher die Rechtslage zum Wildcampen im jeweiligen Land kennen – die Bußgelder dort sind teils höher als jede Maut.