Kurzantwort

Eine 100-Ah-LiFePO4-Batterie liefert nach Wechselrichterverlusten rund 1 Kilowattstunde auf der 230-Volt-Seite. Das sind etwa zehn Stunden Gasheizung oder ein Tag Router, Licht und Handyladen – aber keine Kochplatte und kein Heizlüfter. Voraussetzung ist ein Wechselrichter mit reiner Sinuswelle. Und eine Regel gilt ohne Ausnahme: niemals über eine Steckdose ins Hausnetz einspeisen.

Taugt dein Fahrzeug als Notstromquelle?

Gut geeignet

LiFePO4 ab 100 Ah, reiner Sinus-Wechselrichter ab 1.000 W, Solar auf dem Dach.

Eingeschränkt

AGM-Batterie – nur halbe nutzbare Kapazität. Kleiner Wechselrichter unter 600 W.

Nicht geeignet

Kein Wechselrichter oder nur modifizierter Sinus. Dann bleibt nur 12-Volt-Nutzung.

Wichtigster Punkt: Die Batteriegröße entscheidet über die Dauer, der Wechselrichter darüber, ob es überhaupt funktioniert.

Was in der Batterie wirklich drinsteckt

Auf der Batterie steht 100 Ah. Bis daraus nutzbarer Haushaltsstrom wird, gehen an drei Stellen Anteile verloren.

Erstens die Spannung. 100 Amperestunden bei 12,8 Volt ergeben rund 1.280 Wattstunden Bruttokapazität. Das ist der Ausgangswert, nicht das Ergebnis.

Zweitens die Entladetiefe. Eine LiFePO4-Batterie darf fast vollständig entladen werden, realistisch bleiben etwa 1.200 Wh. Eine AGM-Batterie sollte dagegen nur zur Hälfte entladen werden, sonst altert sie schnell – aus denselben 100 Ah werden also nur rund 600 Wh. Das ist der größte einzelne Unterschied zwischen den Batterietypen und im Notstromfall entscheidend.

Drittens der Wechselrichter. Die Umwandlung von 12 Volt Gleichstrom auf 230 Volt Wechselstrom kostet je nach Gerät und Auslastung zehn bis fünfzehn Prozent.

BatterieBruttoNutzbarNach Wechselrichter
100 Ah LiFePO41.280 Whca. 1.200 Whca. 1.000 Wh
200 Ah LiFePO42.560 Whca. 2.400 Whca. 2.050 Wh
100 Ah AGM1.280 Whca. 640 Whca. 540 Wh
2 × 95 Ah AGM2.430 Whca. 1.220 Whca. 1.030 Wh

Was in deinem Fahrzeug tatsächlich verbaut ist und wie viel davon im Alltag übrig bleibt, rechnet der Batterie-Rechner durch. Wer noch vor der Entscheidung zwischen den Bauarten steht, findet den Vergleich im Ratgeber Wohnmobil-Batterie: LiFePO4 oder AGM.

Der stille Mitesser: der Wechselrichter selbst

Ein Punkt, der in keiner Anleitung steht und im Ernstfall den Unterschied macht: Ein Wechselrichter verbraucht auch dann Strom, wenn nichts angeschlossen ist. Je nach Gerät sind das 5 bis 25 Watt im Leerlauf.

Über 24 Stunden sind das 120 bis 600 Wattstunden – bei einer nutzbaren Kapazität von 1.200 Wh also bis zur Hälfte des Vorrats, verbraucht für nichts. Wer die Anlage über Tage nutzen will, schaltet den Wechselrichter zwischen den Einsätzen konsequent aus und nutzt ihn in Blöcken: Heizung eine Stunde laufen lassen, dann abschalten. Die Restwärme im Heizkreis trägt eine Weile.

Reiner Sinus oder modifizierter Sinus – hier scheitert es oft

Wechselrichter gibt es in zwei Ausführungen, und für den Notstrombetrieb im Haus ist nur eine brauchbar.

Ein Gerät mit modifiziertem Sinus erzeugt eine grob stufenförmige Spannung. Für Glühlampen, einfache Ladegeräte und Heizspiralen reicht das. Für alles mit Motor oder Elektronik nicht: Heizungspumpen brummen, laufen heiß oder starten gar nicht, Steuerplatinen können Schaden nehmen, Kühlschrankkompressoren ebenfalls.

Da die Gastherme genau der Verbraucher ist, für den sich der ganze Aufwand lohnt, führt kein Weg an einem Wechselrichter mit reiner Sinuswelle vorbei. Wer nachrüsten muss, findet die Auswahl im Ratgeber Die besten Wechselrichter fürs Wohnmobil.

Zur Größe: 1.000 bis 1.500 Watt Dauerleistung sind ausreichend und sinnvoll. Größer bedeutet mehr Leerlaufverbrauch, ohne dass es hilft – die Batterie ist ohnehin die Grenze, nicht der Wechselrichter.

🔌 Wechselrichter mit reinem Sinus – ohne den geht es nicht
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Was zuerst drankommt

Mit rund einer Kilowattstunde lässt sich nicht alles versorgen. Die Reihenfolge sollte deshalb vorher feststehen, nicht im Dunkeln entschieden werden.

PrioritätVerbraucherLeistungAus 1 kWh
1Gasheizung (Steuerung + Pumpe)50–200 Wca. 5–20 h
2Router, Handy, Powerbank15–30 Wüber 24 h
3LED-Licht10–30 Wüber 24 h
4Kühlschrank Haushalt0,3–1,2 kWh/Tagca. 1 Tag
Wasserkocher, Herd, Heizlüfter1.500–2.500 Wunter 30 Min.

Die Heizung steht aus gutem Grund oben. Eine Gas- oder Ölheizung erzeugt die Wärme aus dem Brennstoff – Strom braucht sie nur für Steuerung, Zündung und Umwälzpumpe. Für 50 bis 200 Watt bekommt man ein warmes Haus. Kein anderer Verbraucher hat dieses Verhältnis.

Der Kühlschrank steht bewusst weiter unten. Geschlossen hält er mehrere Stunden von selbst, ein voller Gefrierschrank noch länger. Ihn sofort anzuschließen kostet den halben Vorrat für einen Nutzen, den er auch ohne Strom eine Weile liefert.

Alles mit Heizspirale scheidet aus. Wasserkocher, Kochplatte und Heizlüfter ziehen 1.500 Watt und mehr. Selbst wenn der Wechselrichter das kurz schafft, ist die Batterie in einer halben Stunde leer. Für Warmes ist der Gaskocher aus dem Wohnmobil die richtige Antwort – der läuft ohne Strom.

Die Sicherheitsregel, die alles überlagert

Im Netz kursiert der Vorschlag, das Wohnmobil über ein Kabel mit zwei Steckern an eine Haussteckdose zu hängen und so das ganze Hausnetz zu versorgen. Mach das nicht.

Ein solches Kabel hat freiliegende, spannungsführende Kontakte, sobald ein Ende eingesteckt ist. Die Spannung liegt danach an allen Steckdosen des Stromkreises und kann über den Zähler ins Versorgungsnetz zurückgehen – dorthin, wo Techniker an vermeintlich abgeschalteten Leitungen arbeiten. Das gefährdet Leben, und zwar nicht nur das eigene.

Richtig ist der einfache Weg: Verbraucher direkt am Wohnmobil anstecken oder über ein normales Verlängerungskabel vom Wechselrichter ins Haus führen. Viele Gasthermen hängen an einer gewöhnlichen Schuko-Steckdose und lassen sich schlicht umstecken. Ist das nicht der Fall oder soll das Hausnetz fest versorgt werden, gehört eine Elektrofachkraft dazu, die eine Umschalteinrichtung mit sicherer Netztrennung installiert.

Nachladen: wo die Rechnung im Winter kippt

Eine Batterie ist ein Speicher, keine Quelle. Nach einem Tag ist sie leer – und genau dann stellt sich die Frage, die über die ganze Vorsorge entscheidet.

Solar auf dem Dach ist der beste Weg, hat im Winter aber wenig mit den Sommerwerten zu tun. Eine 200-Watt-Anlage, die im Juli anderthalb Kilowattstunden am Tag liefert, kommt im Dezember bei bedecktem Himmel und flachem Sonnenstand auf einen Bruchteil davon. Wer den Ertrag für die eigene Anlage einordnen will, findet die Rechnung im Solar-Rechner; die grundsätzliche Auslegung erklärt der Ratgeber Autarkes Camping mit Solar.

Der Ladebooster lädt nur bei laufendem Motor. Im Standgas fällt die Ladeleistung deutlich ab, und der Verbrauch liegt trotzdem bei etwa einem bis zwei Litern pro Stunde. Vor allem aber: Ein laufender Motor in Garage oder Carport ist wegen Kohlenmonoxid lebensgefährlich. Das gilt auch bei geöffnetem Tor. Wenn überhaupt, dann im Freien und mit Abstand zu Fenstern.

Landstrom fällt im Blackout naturgemäß aus – der Anschluss, an dem das Wohnmobil sonst lädt, ist tot.

Die ehrliche Einordnung lautet damit: Ein Wohnmobil überbrückt einen Tag zuverlässig, zwei Tage mit Disziplin, und darüber hinaus nur mit ordentlich Solar und viel Sonne. Für längere Ausfälle ist es eine Ergänzung, keine Lösung.

Das Fahrzeug selbst nicht vergessen

Zwei Punkte gehen bei aller Konzentration auf den Haushalt gern unter.

Die Starterbatterie. Aufbau- und Starterbatterie sind bei den meisten Fahrzeugen getrennt, aber nicht bei allen und nicht immer sauber. Wer die Anlage leerfährt und danach feststellt, dass das Fahrzeug nicht mehr startet, hat sich zusätzlich zum Stromausfall ein zweites Problem geschaffen.

Der Ladezustand vor dem Winter. Eine Notstromreserve, die im Ernstfall bei 20 Prozent steht, ist keine Reserve. Wer das Fahrzeug ohnehin einwintert, sollte den Ladezustand bewusst hoch halten – die Punkte dazu stehen in der Einwinterungs-Checkliste.

Wann eine eigene Powerstation die bessere Wahl ist

Das Wohnmobil hat einen praktischen Nachteil: Es steht draußen, oft nicht direkt am Haus, und im Winterlager womöglich kilometerweit entfernt. Ein Kabel quer über den Hof ist bei Regen keine gute Lösung, und wer das Fahrzeug saisonal abstellt, hat die Reserve genau dann nicht, wenn sie gebraucht wird.

Für Haushalte, die verlässlich vorsorgen wollen, ist deshalb eine eigene Powerstation im Haus die sauberere Lösung – das Wohnmobil bleibt die Reserve dahinter. Wie man die passende Kapazität ausrechnet, welche Zellchemie für ein Gerät sinnvoll ist, das monatelang ungenutzt steht, und wie sich das gegen ein Notstromaggregat schlägt, steht im Ratgeber Notstrom bei Stromausfall: welche Powerstation reicht wirklich? auf unserer Schwesterseite.

Wer eine Powerstation ohnehin fürs Camping anschafft, deckt beide Fälle mit einem Gerät ab – die Auswahl dafür steht im Ratgeber Beste Powerstation fürs Camping.

⚡ Die Alternative im Haus – und die Nachladequelle
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Kurz zusammengefasst

  • 100 Ah LiFePO4 ≈ 1 kWh nutzbarer Haushaltsstrom. AGM: etwa die Hälfte.
  • Reiner Sinus ist Pflicht, sobald Heizungspumpe oder Elektronik dranhängen.
  • Wechselrichter ausschalten, wenn nichts läuft – 5 bis 25 Watt Leerlauf summieren sich.
  • Heizung zuerst, dann Kommunikation, dann Kühlschrank. Nichts mit Heizspirale.
  • Niemals ins Hausnetz einspeisen. Verbraucher direkt anstecken.
  • Motor nur im Freien laufen lassen – Kohlenmonoxid ist geruchlos.
  • Ein Tag ist realistisch, alles darüber braucht Solar und Sonne.