Wer sein Wohnmobil über Plattformen wie PaulCamper oder Yescapa vermietet, kann bei 40–60 Vermiettagen im Jahr 3.000–7.000 € Einnahmen erzielen und damit einen Großteil der Fixkosten decken. Wichtig sind eine passende Vermietversicherung, realistische Kalkulation von Verschleiß und Reinigung, und die korrekte steuerliche Behandlung der Einnahmen.
- Tagesmieten realistisch: 60–150 € je nach Fahrzeugtyp und Saison
- Realistische Auslastung: 20–40 Vermiettage, nicht die oft genannten 60
- Plattformprovision meist 15–25 % der Miete
- Normale Privat-Kfz-Versicherung deckt Vermietung an Fremde meist nicht ab
- Steuerlich sonstige Einkünfte nach § 22 Nr. 3 EStG – kein Gewerbe, Freigrenze 256 € im Jahr
- Fahrzeugkosten lassen sich anteilig gegenrechnen, wenn du sie dokumentierst
Ein Wohnmobil steht im Schnitt an weit mehr Tagen im Jahr ungenutzt in der Einfahrt oder im Winterlager, als es tatsächlich bewegt wird. Genau hier setzt die private Vermietung an: Statt nur Kosten zu verursachen, kann das eigene Fahrzeug an den ungenutzten Tagen Geld einbringen – über spezialisierte Vermittlungsplattformen, die Versicherung, Bezahlung und teils auch die Kommunikation mit Mietinteressenten übernehmen.
Wer bereits mit dem Mieten-vs-Kaufen-Rechner überlegt hat, ob sich ein eigenes Wohnmobil überhaupt lohnt, sollte die Vermietoption in die Rechnung mit einbeziehen – sie kann den Unterschied zwischen "lohnt sich knapp nicht" und "lohnt sich deutlich" ausmachen.
Wie funktioniert die private Vermietung?
Anders als bei klassischen Vermietstationen wie McRent oder Roadsurfer, die eigene Flotten betreiben, vermitteln Plattformen für die private Vermietung ausschließlich zwischen Fahrzeugbesitzern und Mietinteressenten – ähnlich wie Airbnb bei Wohnungen. Die Besitzer legen Preis, Verfügbarkeit und Abholort fest, die Plattform übernimmt Buchung, Zahlungsabwicklung, oft eine Vermiet-Vollkaskoversicherung und einen Teil der Kommunikation.
| Plattform | Modell | Besonderheit |
|---|---|---|
| PaulCamper | Peer-to-Peer-Vermittlung | Deutschlandweit verbreitet, eigene Versicherungspakete |
| Yescapa | Peer-to-Peer-Vermittlung | Europaweit aktiv, Versicherung über Partner inklusive |
| Share-a-Camper | Peer-to-Peer-Vermittlung | Fokus auf DACH-Region |
Die Provision der Plattformen liegt meist zwischen 15 und 25 % der Mieteinnahmen. Dafür entfällt der Aufwand für eigene Werbung, Vertragsgestaltung und oft auch die Versicherungssuche.
Die Modelle unterscheiden sich dabei stärker, als die reine Prozentzahl vermuten lässt. Manche Anbieter ziehen den Großteil der Gebühr beim Mieter ab und belasten den Vermieter nur gering, andere teilen sie auf beide Seiten auf. Für dich zählt am Ende nur eine Zahl: was nach Abzug aller Gebühren und Versicherungsbeiträge auf deinem Konto landet. Weil die Konditionen regelmäßig angepasst werden, ist der Blick in die aktuellen Vermieterbedingungen der Plattform verlässlicher als jeder Vergleichsartikel – auch dieser hier.
Wie viele Vermiettage sind realistisch?
Die Tagesmiete ist die eine Hälfte der Rechnung, die Auslastung die andere – und die wird fast immer überschätzt. Die Nachfrage konzentriert sich auf Sommerferien, Ostern, Pfingsten und verlängerte Wochenenden. Also genau auf die Zeiträume, in denen du selbst fahren willst.
Wer sein Wohnmobil in den Ferien selbst nutzt, kommt realistisch auf 20 bis 40 Vermiettage im Jahr. Die häufig zitierten 60 Tage und mehr erreichen vor allem Besitzer, die auf die Hauptsaison verzichten oder ein Zweitfahrzeug haben. Kalkuliere deshalb mit der unteren Spanne – wenn mehr zusammenkommt, ist das eine angenehme Überraschung und keine Planungsgrundlage, die wegbricht.
Der Punkt, den die meisten übersehen: die Zulassung
Ein Fahrzeug, das gewerbsmäßig an wechselnde Fahrer vermietet wird, gilt in Deutschland als Selbstfahrervermietfahrzeug. Diese Einstufung hat zwei praktische Folgen: Sie gehört der Zulassungsstelle gemeldet und in die Fahrzeugpapiere eingetragen – und sie verkürzt das Intervall der Hauptuntersuchung auf zwölf Monate statt der sonst üblichen 24.
Für die gelegentliche Vermietung über eine Vermittlungsplattform arbeiten die Anbieter mit eigenen Policen, die den privaten Fall ohne Umschreibung abdecken sollen. Wo genau die Grenze zwischen „gelegentlich privat" und „gewerbsmäßig" verläuft, hängt vom Umfang ab und lässt sich nicht mit einer festen Zahl beantworten. Wer regelmäßig und planmäßig vermietet, klärt das besser vor der ersten Buchung mit Versicherer und Zulassungsstelle – nicht nach dem ersten Schaden.
Was ist realistisch an Einnahmen?
Die erzielbare Tagesmiete hängt stark vom Fahrzeugtyp, Baujahr, Ausstattung und der Region ab:
| Fahrzeugtyp | Tagesmiete | Bei 45 Vermiettagen/Jahr |
|---|---|---|
| Kastenwagen, einfach | 60–90 € | 2.700–4.050 € |
| Teilintegrierter, mittlere Ausstattung | 90–130 € | 4.050–5.850 € |
| Integrierter, große/neue Fahrzeuge | 120–180 € | 5.400–8.100 € |
Von diesen Bruttoeinnahmen gehen realistisch ab: Plattformprovision (15–25 %), Reinigung zwischen den Vermietungen (30–60 € pro Übergabe, wenn nicht der Mieter dafür zahlt), zusätzlicher Verschleiß (Reifen, Bremsen, Aufbau-Technik) und ein höheres Schadensrisiko durch fremde Nutzer. Netto bleiben oft 60–75 % der Bruttoeinnahmen übrig – bei 5.000 € Bruttoeinnahmen also grob 3.000–3.750 € netto. Das deckt bei vielen Fahrzeugen einen Großteil der jährlichen Fixkosten aus Steuer, Versicherung und Stellplatz.
Versicherung: der wichtigste Stolperstein
Die normale private Kfz-Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung ist in der Regel nicht für die entgeltliche Vermietung an fremde Dritte ausgelegt. Wer ohne passende Absicherung vermietet, riskiert im Schadensfall den Verlust des Versicherungsschutzes – ein teures Risiko bei einem Fahrzeug im fünf- bis sechsstelligen Wert.
- Plattform-Versicherung: PaulCamper, Yescapa und vergleichbare Anbieter bieten meist ein eigenes Vollkaskopaket für die Vermietzeiträume an, das automatisch bei jeder Buchung greift
- Meldung beim eigenen Versicherer: Auch bei Nutzung einer Plattform-Versicherung sollte der private Versicherer über die geplante Vermietung informiert werden – manche Policen schließen die private Vermietung sonst grundsätzlich aus, auch außerhalb der Vermietzeiträume
- Selbstbeteiligung realistisch einplanen: Vermiet-Vollkaskopakete haben oft eine höhere Selbstbeteiligung als die eigene Vollkasko – das sollte bei der Kalkulation berücksichtigt werden
Mehr zu den Grundlagen der Wohnmobil-Versicherung generell gibt es im Versicherungs-Ratgeber.
Steuern: unkomplizierter als befürchtet
Hier hält sich ein Missverständnis hartnäckig – nämlich dass man durch die Vermietung automatisch zum Gewerbetreibenden wird. Das ist in aller Regel falsch.
Die Vermietung eines einzelnen Wohnmobils gilt steuerlich nicht als gewerbliche Tätigkeit im Sinne des § 15 EStG. Sie führt zu sonstigen Einkünften nach § 22 Nr. 3 EStG. Das vereinfacht vieles: keine Gewerbeanmeldung, keine Gewerbesteuer, keine Bilanz. Die Einnahmen wandern in die Einkommensteuererklärung, mehr nicht.
Die 256-Euro-Grenze
Für sonstige Einkünfte gilt eine Freigrenze von 256 € pro Kalenderjahr. Auf das Wort kommt es an: Freigrenze, nicht Freibetrag. Bleibst du darunter, ist alles steuerfrei. Überschreitest du sie auch nur um einen Euro, wird der gesamte Betrag steuerpflichtig – nicht bloß der Teil oberhalb der Grenze.
Die Grenze gilt pro Person und für alle privaten Vermietungen zusammen, nicht pro Fahrzeug. Wer nebenher noch Werkzeug oder einen Anhänger verleiht, muss das mitrechnen.
Was zählt, ist der Gewinn – nicht der Umsatz
Maßgeblich sind die Einkünfte, also Einnahmen abzüglich der zurechenbaren Kosten. Und hier wird es interessant, weil sich die Fahrzeugkosten anteilig für den Vermietzeitraum gegenrechnen lassen:
- Vollständig absetzbar: Plattformprovision, Servicegebühren, Vermiet-Versicherungsbeiträge, Reinigung und Verbrauchsmaterial für die Übergabe
- Anteilig nach Vermiettagen: Kfz-Steuer, laufende Versicherung, Stellplatz- oder Garagenmiete
- Anteilig nach gefahrenen Kilometern: Wartung, Reifen, Öl, Verschleißreparaturen
- Anteilig nach Nutzungsverhältnis: die Abschreibung des Fahrzeugwerts
Wer sauber dokumentiert, landet bei moderater Vermietung oft bei einem überraschend kleinen steuerpflichtigen Gewinn. Voraussetzung ist allerdings, dass Vermiettage, Kilometerstände und Belege laufend festgehalten werden. Rückwirkend lässt sich das nicht rekonstruieren, und geschätzte Zahlen akzeptiert das Finanzamt nicht.
Umsatzsteuer
Die Vermietung ist umsatzsteuerbar, praktisch greift für die meisten aber die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG. Sie gilt, wenn der Umsatz im Vorjahr 25.000 € nicht überschritten hat und im laufenden Jahr 100.000 € nicht übersteigt. Diese Werte wurden zum Jahr 2025 deutlich angehoben – ältere Ratgeber nennen noch 22.000 und 50.000 €.
Mit Wohnmobil-Vermietung allein kommt kaum jemand in die Nähe der 25.000 €. Aufpassen muss aber, wer daneben selbstständig tätig ist: Die Grenze gilt für alle unternehmerischen Umsätze einer Person zusammen, nicht je Tätigkeit.
Steuerliche Regeln ändern sich, und die Einordnung hängt am konkreten Umfang. Dieser Abschnitt ersetzt keine Beratung – bei regelmäßiger Vermietung oder paralleler Selbstständigkeit ist ein Termin beim Steuerberater gut investiertes Geld.
Rechenbeispiel: Teilintegrierter mit 30 Vermiettagen
Zahlen sagen mehr als Spannen. Angenommen, du vermietest einen Teilintegrierten für 110 € am Tag, verteilt auf sechs Buchungen mit insgesamt 30 Tagen:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Mieteinnahmen (30 × 110 €) | + 3.300 € |
| Plattformprovision (15 %) | − 495 € |
| Reinigung und Übergabe (6 × 45 €) | − 270 € |
| Mehrverschleiß, Wartung, Reifen anteilig | − 350 € |
| Höherer Versicherungsbeitrag | − 400 € |
| Überschuss vor Steuern | ≈ 1.785 € |
Rund 1.785 € decken bei vielen Fahrzeugen die Kfz-Steuer, die Versicherung und einen Teil des Stellplatzes. Das ist ordentlich – aber es ist eine Kostenentlastung, kein Geschäftsmodell. Wer sich davon die Finanzierungsrate erhofft, rechnet zu optimistisch. Wie hoch deine tatsächlichen Fixkosten liegen, zeigt der Jahreskosten-Rechner.
Wann sich die Vermietung nicht lohnt
Es gibt Konstellationen, in denen der Aufwand den Ertrag klar überwiegt:
- Neues, teures Fahrzeug: Der Wertverlust ist in den ersten Jahren ohnehin am höchsten. Fremdkilometer und Schadensrisiko treffen genau den Zeitraum, in dem das Fahrzeug am meisten wert ist – nachzuvollziehen im Wertverlust-Rechner.
- Aufwendiger Selbstausbau: Individuelle Technik, die nur du sicher bedienst, führt zu Rückfragen mitten in der Nacht, Fehlbedienung und Defekten.
- Wenig Zeit: Jede Buchung kostet ein bis zwei Stunden für Einweisung, Kontrolle und Reinigung – und zwar zweimal, bei Übergabe und Rückgabe.
- Geringe Toleranz für Gebrauchsspuren: Kratzer, Flecken und kleine Defekte gehören dazu. Wer daran hängt, wird mit der Vermietung nicht glücklich.
Praktische Tipps für den Einstieg
- Klein anfangen: Erst wenige Vermiettermine testen, bevor die Fixkosten-Kalkulation komplett auf Vermieteinnahmen aufbaut
- Übergabeprotokoll nutzen: Zustand, Kilometerstand, Tankfüllung und eventuelle Vorschäden bei jeder Übergabe schriftlich und mit Fotos dokumentieren
- Klare Hausregeln: Haustiere, Rauchen, maximale Personenzahl und erlaubte Länder vorab eindeutig kommunizieren
- Wartungsintervalle straffer takten: Bei häufigerer Fremdnutzung lohnt sich eine etwas kürzere Wartungs- und Kontrollfrequenz als bei rein privater Nutzung
- Saisonale Preise: In den Ferienzeiten und im Hochsommer sind deutlich höhere Tagesmieten durchsetzbar als in der Nebensaison
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